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Rittler & Co

Alfons Rittler

Digital Expert & CEO

Apple iOS 15: Privatsphäre u. Datenschutz - Fakten



Das Apple iOS 15 Update bringt weitere Neuerungen bei den Privatsphäre-Einstellungen. Dies gab der Tech-Gigant im Rahmen seiner Entwickler-Messe WWDC Anfang Juni bekannt. Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass Apple mit seinem iOS14 Update für Wirbel in der Marketingbranche sorgte. Mit dem im April 2021 veröffentlichten App Tracking Transparency Framework (ATT) mussten Werbetreibende erhebliche Einbußen beim Sammeln von User-Daten hinnehmen. Ein Jahr zuvor stellte iOS 13 zum ersten Mal den uneingeschränkten Zugriff durch Apps auf die GPS-Daten von Apple Geräten infrage und gab dem Nutzer die Möglichkeit selbst zu entscheiden, wann und wie oft das Teilen dieser Daten erlaubt ist.

Nun geht Apple einen Schritt weiter. Die neuen Datenschutz-Einstellungen, die mit dem kommenden iOS 15 Update einhergehen, sollen für mehr Transparenz sowie weitere Einschnitte im Data Tracking sorgen. So sollen beispielsweise Tracking-Pixel in E-Mails erkannt und blockiert werden. Marketer werden so wohl oder übel weitere Daten-Defizite akzeptieren müssen.

Die Apple Privatsphäre war seit Beginn an ein zentrales Thema des Unternehmens, so Apples SVP (Senior Vice President) für Softwareentwicklung Craig Federighi. Werbekampagnen fokussieren immer wieder auf die Apple Privatsphäre, die Website hat eine eigene Sektion, in welcher die Praktiken für mehr Privatsphäre detailliert aufgeführt werden und der CEO (Chief Executive Officer) Tim Cook ging sogar vor den US-Kongress, um für mehr Privatsphäre zu werben.

Nach Angaben des US-amerikanischen Analyseunternehmens "Flurry" lehnen nahezu 90 Prozent der User Datentracking durch Drittanbieter ab, was zu massiven Einschränkungen für gezieltes Werbetreiben hat. Die Updates für iOS 15 sollen den Benutzern von Apple Geräten mehr Zugang zu ihren Daten und bessere Kontrolle über diese geben. Dies ermöglicht eine bewusstere Entscheidung, mit wem persönliche Daten geteilt werden.

iCloudPlus: neue Privatsphäre-Einstellungen für zahlende Kunden

Mit iOS 15 wurden zwei neue Tools im kostenpflichtigen iCloud+ Abonnement eingeführt, welche die Privatsphäre schützen.

Hide My E-Mail: E-Mail-Adresse zur Einmalnutzung

Für zahlende iCloud-Kunden gibt es bald das „Hide My E-Mail“-Feature. Mit dieser Funktion können falsche E-Mail-Adressen für einen einmaligen Gebrauch generiert werden. So kann man sich beispielsweise auf Websites anmelden, ohne seine eigenen Daten preisgeben zu müssen.

Das Proxy E-Mail-Adressen Feature "Hide My Email" versteckt die echte E-Mail-Adresse und gibt bei Formularen, Newsletter Anmeldungen und anderen Orten, an denen eine Mailadresse eingegeben werden muss, eine zufällig generierte Mailadresse - z.B.: "clark54@icloud.com - an. Dadurch werden die Mails über Apple an die ursprüngliche Mail weitergeleitet. Der Inhalt kommt also trotzdem bei den Menschen an, diese müssen aber ihre echte Mailadresse nicht mehr angeben. Dabei können beliebig viele Proxy Adressen erstellt werden, welche bequem in den Einstellungen eingesehen, organisiert und gelöscht werden können. Einmal gelöscht, kann der Betreiber der Seite, auf welcher die Mailadresse angegeben wurde, nichts mehr senden - die Adresse existiert nicht mehr. Dies hält das Mailpostfach sauber. Aber Vorsicht: Das Feature ist nur in Safari und der Apple Mail-App aktiv.

Private Relay: verschlüsselter Datenverkehr

Private Relay ist ein VPN-ähnliches Feature. Das heißt, dass Apple-User ihre Online-Identität in Zukunft besser geheim halten können. Der Datenverkehr von Nutzern des Webbrowsers Safari wird verschlüsselt und über zwei zufällige Server geleitet. So können vom User aufgerufene Websites dessen genaue Position nicht mehr feststellen.

Mit "Private Relay" versucht sich Apple an einer Art VPN/Tor Browser. Denn im Web ist eine Frage zentral: Wer (das sind die Menschen und deren Endgeräte) greift auf welche Inhalte im Internet (das sind Webseiten) zu? Der Weg vom "Wer" zum "Was" eröffnet Firmen und Werbetreibenden die Möglichkeit, sich ein Bild des Users zu machen. Dieses Tracking von Nutzerverhalten im Internet wird verwendet, um ein Profil des Nutzers zu erstellen. Das heißt Interessen, Vorlieben und viele andere Metriken werden gesammelt, um den Menschen hinter dem Nutzer kennenzulernen und so maßgeschneiderte Werbung schalten zu können. Alles mit dem Ziel, mehr Umsätze, mehr Geld zu generieren.

Das Trennen dieser beiden Komponenten - "Wer" und "Was" - bedeutet Privatsphäre.

Apples Private Relay fungiert dabei fast wie ein VPN (Virtual Private Network). Über die eigene IP-Adresse wird ein verschlüsselter Datensatz an Apple versendet. Apple leitet dann den Datensatz an einen Provider-Server weiter, ohne die eigene IP-Adresse mitzusenden. Von da aus versendet der Dienstleister dann mit einer anonymen IP-Adresse das Datenpaket ins Internet. Apple hat somit keinen Zugriff auf den Inhalt der Internetanfrage, nur auf die IP-Adresse. Der Drittanbieter hat Zugriff auf den Inhalt der Anfrage, um diese verarbeiten zu können, jedoch nicht auf die IP-Adresse. Anders als bei einem VPN, welche den Serverstandort frei wählen lässt, beziehungsweise von anderen Standorten auf sonst gesperrte Inhalte zugreifen lassen würde, werden hier randomisierte Server benutzt.

Es ähnelt daher tatsächlich eher der Funktionsweise des Tor (ehemals TOR "The Onion Router") Browsers. Dieser verhüllt den Datenverkehr in mehreren Instanzen und schickt diese dann über einige randomisierte Server, welche jeweils nur einen Teil der ganzen Lieferstrecke kennen, an die Zieladresse. Ein einfacher Vergleich lässt dabei klar werden, wie das Versenden mit Tor und Private Relay funktioniert. Man stellt sich vor, Alisa sendet einen Brief an Peter, ohne ihre Adresse darauf zu hinterlassen. Peter öffnet den Brief und findet darin Instruktionen, einen versiegelten Umschlag an Alisas Vater weiterzuschicken. So weiß Peter nicht, woher der Brief kommt, nur wohin er geht.
Tors Privatsphäre hat aber auch Nachteile, denn durch die Anzahl an Instanzen verlangsamt sich die Datengeschwindigkeit deutlich. Auch wird an einigen Stellen im Internet Zugang verwehrt. Solche Probleme sind bisher bei Apples Lösung nicht bekannt.

Private Relay auf dem mobilen Endgerät nutzen:

Über die App "Einstellungen" klickt man ganz oben den eigenen Namen (iCloud mit Bild). Dort geht es weiter mit dem Klick auf "iCloud" und in diesem Menü dann auf "Private Relay". Dort kann nach Bestätigung des Benutzens noch eine Differenzierung ausgewählt werden. Unter der Option "IP Address Location", also dem Ort, welcher der eigenen IP-Adresse zugeordnet wird, kann zwischen "General Location" und "Country and Time Zone" ausgewählt werden. Letzteres benutzt eine randomisierte IP-Adresse im Land des Users und dessen Zeitzone, während die erste Option zum Beispiel den Großraum Berlin als IP-Adressen Ort angibt, jedoch nicht den genauen Standort in Berlin.

Apple iOS 15: Privatsphäre Einstellungen

Apple iOS 15: gratis Privatsphäre-Features für alle User

Aber auch iOS Nutzer ohne iCloud+ Subscription profitieren von neuen Sicherheitsfeatures!

Mail Privacy Protection: Sag Tracking Pixeln Ade

Eine der wohl fiesesten neuen Privatsphäre-Features, die E-Mail-Marketern auf den großen Zeh tritt, ist die Mail Privacy Protection. Die Funktion ist direkt in der Mail-App von Apple integriert und unterbindet das Data Tracking durch unsichtbare E-Mail-Pixel. Diese werden unter anderem dafür genutzt, um Daten darüber zu sammeln, ob ein Empfänger den versendeten Newsletter aufgemacht hat. Somit wird es beinahe unmöglich, die Öffnungsrate einer Newsletter-Kampagne zu bestimmen.

So werden alle Inhalte erst auf Apple Servern vorgeladen, was die Tracking-Pixel in den Mails triggert, bevor es auf die Endgeräte in die Mail App geladen wird. So erscheint es dem E-Mail-Marketer, dass auf iOS 15 Systemen alle Mails geöffnet wurden. Diese Metrik ist also für diesen Anteil der Mail-Empfänger nicht mehr aussagekräftig. Damit wird die Interaktionsrate mit der Mail zum wichtigsten und oft einzigem aussagekräftigem Datensatz. Auch wird die IP-Adresse versteckt. Die Frage kommt jedoch auf, ob es nicht sinnvoll wäre, dieses Feature optional zu machen. Denn viele Marketing-Kampagnen werden anhand der Ergebnisse der Öffnungsrate angepasst. Dies zeigt, ob Inhalt, welcher nur in der Mail angesehen wird, interessant und relevant ist. Das Apple Privatsphäre Update in iOS15 unterbindet dies. Auch dieses Feature ist nur in der Apple Mail App integriert.

App Privacy Report: mehr Transparenz

Über den „Privacy Report“ dürften sich vor allem App-Entwickler ärgern. Zu finden soll er in den Systemeinstellungen sein. Dort zeigt er dann an, welche Apps wie oft auf die eigenen Daten zugreifen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Zugriffe auf Mikrofon, Fotos oder Ortsangabe. Einige App-Entwickler wird diese Tatsache vermutlich in Bedrängnis bringen.

Siri lässt grüßen

Bisher ist es so, dass Audiodaten für die Spracherkennung & -verarbeitung an einen Apple-Server geschickt werden. Zukünftig soll dies auf dem Gerät selbst durchgeführt werden. Das heißt, dass Apple in Zukunft keinen Zugriff mehr auf die eigenen Audioaufnahmen haben wird.

Die Neuerungen bei der hauseigenen Sprachsteuerung "Siri" verändern das Interaktionsverhalten der User. Durch die Prozessierung der Daten auf dem lokalen Gerät wird mehr Vertrauen gegenüber der Sprachfunktion geschaffen. Es ist einfacher für die Nerven, mit dem Smartphone zu kommunizieren, wenn bewusstwird, dass die Daten an keine Server gesendet werden.

Dieses Update hebt Siri auch von anderen vergleichbaren Sprachsteuersystemen ab. Alexa von Amazon und Google Home setzen bisher auf die Server Lösung, welche bis vor dem iOS 15 Update auch noch bei Apple benutzt wurde. Sprachbefehle, welche eine Nachricht senden, eine Route in Maps berechnen oder eine App öffnen sind jetzt deutlich privater geworden. Außerdem funktionieren viele dieser Befehle nun auch offline, da die Verarbeitung der Anfragen direkt im Gerät mit dessen Rechenleistung umgesetzt wird. Dies wiederum hat zur Folge, dass Befehle schneller ausgeführt werden könne, da Sie nicht erst mit dem Internet kommunizieren müssen. Das Update ist jedoch nur für Geräte verfügbar, welche einen "A12 Bionic Chip" eingebaut haben.

Safari versteckt IP-Adresse

Ein weiteres neues Privatsphäre-Feature, das mit iOS 15 einhergehen wird, betrifft den Webbrowser Safari. Zukünftig soll es nicht mehr möglich sein, IP-Adressen auszumachen, da man diese vor auf den Websites platzierten Trackern verstecken kann.

Apple ist Vorreiter in Sachen Privatsphäre

Wie bei vielen anderen Themen, geht Apple auch beim Schutz des Individuums und dessen Daten als einer der großen Technik Hersteller immer wieder voraus. Dabei schreckt das nordamerikanische Unternehmen auch nicht vor - im Vergleich zur Konkurrenz - strengen Richtlinien zurück. Es muss bei jedem Sicherheitsupdate dazu gesagt werden: Komplette Sicherheit gibt es im Internet nicht, auch wenn sich die Funktionen sehr sicher und gut anhören. Sobald ein Mensch online geht, beginnt ein gewisses Risiko zu bestehen, dass dessen persönliche Daten einsehbar sind. Die Höhe dieses Risikos ist jedoch gut beeinflussbar. Dies ist Apples großes Anliegen. Das iOS 15 Update ist dafür ein weiterer Schritt in eine sicherere Onlineumgebung.

Was bedeutet Apples iOS 15 Privatsphäre Update für Werbetreibende?

Die Marketingbranche hatte bereits unter dem letzten iOS 14 Update zu knabbern. Mit dem Update gab Apple seinen UserInnen die Option, dem Data Tracking aktiv zustimmen zu müssen. Wie vorhergesagt tun das aber nur die wenigsten. Die Folge: Weniger Daten, die für die personalisierte Werbung zur Verfügung stehen. Mit dem kommenden iOS 15 Update ist nun weiter mit Daten-Einbußen zu rechnen.

Diese Tatsache macht vielen Werbetreibenden Sorge. Wer seine Daten sichern möchte und weiter auf personalisierte Marketing-Strategien setzen möchte, tut gut daran, sich an einen Online Marketing Experten zu wenden. Wir von Rittler & Co sind eine Online Marketing Agentur aus Graz und helfen Ihnen zum Thema Apple iOS 15 Update und den damit einhergehenden Datenschutz-Neuerungen gerne weiter.

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